Wer läutet die Glocke?

09.09.2021
3/2021
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Ich schreibe dieses Editorial am Montag nach der Ablehnung des Schweizer CO2-Gesetzes. Sie macht mich betroffen. Klimawandel und markante Abnahme der Biodiversität bedrohen die Lebensgrundlage der Menschen – und trotzdem haben wir hierzulande das Gefühl, «weiter wie bisher» genüge. Damit entziehen wir uns der Verantwortung, den nachfolgenden Generationen einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen.

Viele Führungskräfte sehen ein, dass uns die vorherrschende Art des Wirtschaftens mit steigenden Umweltbelastungen, hohen gesellschaftlichen Folgekosten und schlechten Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette in immer grössere soziale, ökologische und damit nicht zuletzt auch in wirtschaftliche Risiken führt.

Wir brauchen eine neue Ära der Verantwortung – und es ist an uns Leadern, sie einzuläuten. Das ist durchaus wörtlich zu verstehen: Wir müssen den Fakten Gehör verschaffen. Denn Massnahmen können nur greifen, wenn sie von den Menschen getragen werden. Deshalb müssen wir alle mitnehmen.

Führung ist ein Dienst an Mitarbeitenden und an der Gesellschaft, und sie muss geteilt werden. Neben der Verinnerlichung nachhaltig ausgerichteter Werte müssen Führungskräfte über ein systemisches, interdisziplinäres Verständnis verfügen, integrativ wirken und Vertrauen schaffen. Und sie müssen die Verantwortung für die Umsetzung übernehmen. Das beginnt bei der Personalauswahl, bei den Beurteilungs- und Performancesystemen, die nachhaltiges Verhalten belohnen müssen, und es geht weiter bis zur Gestaltung von Geschäftsmodellen und Produkten. Ich für meinen Teil bin überzeugt: Mit Nachhaltigkeit lässt sich vor dem Hintergrund des steigenden Anpassungsdrucks, der wachsenden Kosten aufgrund von Katastrophen und knappen Ressourcen und des zunehmenden Bedürfnisses nach Sinnstiftung vor allem auch jüngerer Fachkräfte besser wirtschaften.

Die Schweiz hätte ideale Bedingungen für einen offenen, kreativen Innovationsprozess in Richtung nachhaltige Entwicklung – in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Aber dazu braucht es Fürsorge für unseren Planeten, Sinn für das Gemeinwohl, den Dialog auf Augenhöhe und die Bereitschaft, Wissen (und mehr) zu teilen.