«Vegan essen ist eine Horizonterweiterung»

02.12.2021
4/2021
  • Aufgefallen

Köchin Lauren Wildbolz organisiert mit wachsendem Erfolg vegane Caterings für grössere Anlässe. Nach dem Lockdown lancierte sie den Versanddienst «Plantbox»: Zum Home-Office gesellt sich damit die vegane Home-Kitchen.

    

«Am Tag, als der Lockdown begann, hätte ich meinen 39. Geburtstag gefeiert. Die Party musste ich absagen. Noch schwerer fiel es mir, plötzlich nicht mehr arbeiten zu können. In den letzten Jahren war es mit meinen veganen Caterings immer steiler aufwärts gegangen, und das Jahr 2020 wäre noch besser geworden.

Zwei Wochen lang war ich schockiert, dann begann ich zu realisieren, dass ich etwas tun musste. Ich sagte mir: Diese Hände können kochen.

Zuerst begann ich wie alle, zu Hause für mich selbst, meinen Freund, meine Familie zu kochen. Das gab mir Kraft. Dieses Gefühl wollte ich auch anderen mitgeben und lancierte meine ‹Plantbox›: Darin stellte ich ausgewählte vegane Lebensmittel zusammen, alle rein pflanzlich und aus biologischem Anbau. Damit erhielten die Kunden per Velokurier Lebensmittel, mit denen man eine Woche lang dreimal am Tag kochen konnte – gegen einen Unkostenbeitrag von 200 Franken. Dazu nahm ich Videos mit Rezepten und Tipps und Tricks für die Küche auf.

Im zweiten Lockdown und in der langen Homeoffice-Phase initiierte ich mit meinem Team Homeoffice- und Weekend-Boxen, eine weitere Form der ‹Plantbox›.

    

Ich will die Menschen mit pflanzenbasierten Produkten inspirieren.

    

Eigentlich sind wir mit der Firma Future Cuisine Dienstleister, aber irgendwann realisierte ich, dass wir ein Start-up gegründet hatten, das plötzlich ein Produkt vertreibt. Dafür sind wir nun auf der Suche nach Investoren oder einem Partner, der die Boxen abpackt. Wir haben eine Marktanalyse gemacht, eine Case Study für die ‹Plantbox› erstellt und sind nun bereit für Kooperationen.

In den letzten zehn Jahren ist das Standbein der Caterings für Private und Unternehmen stark gewachsen. Weil wir ganze Küchen aufbauen, zum Beispiel in einem Park, sind das Anlässe ab rund 80 Personen und solche, bei denen das Budget keine grosse Rolle spielt. Da sorge ich wie eine Dirigentin bei einem Konzert dafür, dass zwischen dem Chefkoch, dem Küchenteam und dem Servicepersonal und mir und dem Kunden alles gut läuft.

Seit ein paar Jahren schreibe ich auch Food-Konzepte für grosse Gastrogruppen, schreibe Kochbücher und halte Vorträge zu den Zukunftsthemen unserer Ernährung, zum schonenden Umgang mit Lebensmitteln und zu Food Waste. In all meinen Projekten geht es darum, die Menschen mit pflanzenbasierten Produkten zu inspirieren. Ich möchte zeigen, dass veganes Essen kein Verzicht ist, sondern eine kulinarische Horizonterweiterung, die neue Geschmackserlebnisse kreiert.

Wir müssen in Zukunft umdenken, was unsere Ernährung betrifft: Viele Produkte der Lebensmittelindustrie machen uns krank: Die Ernährung sollte jedoch (wieder) unsere präventive Medizin werden, und uns nicht krank machen, damit wir chemische Medizin nehmen müssen. Bis dahin ist aber noch viel zu tun, auch für meine Hände.»

Aufgezeichnet von Susanne Wagner