Stehaufmenschen

4. März 2021
1/2021
Sich trotz Krisen und Veränderungen schnell wieder zu erholen und einen Zustand stetiger Stabilität zu erreichen, ist eine wichtige Kompetenz geworden. Das nennt man Resilienz. Bei Organisationen geht es darum, dass sie die Fähigkeit haben, nach einer Störung wieder in einen stabilen Zustand zurückzukehren, sich sozusagen selbst reparieren. Diese Eigenschaft soll sogar messbar sein, wie Professor Alexander Stolz vom Fraunhofer Institut zeigt. 
Ist Resilienz angeboren? Forscher gehen eher davon aus, dass es sich bei Resilienz um einen komplexen Anpassungs- und Lernprozess handelt. Nur im echten Leben kann man die Erfahrungen einer Krisenbewältigung machen, aus der man Zuversicht und Vertrauen schöpfen kann. Soziale Systeme, die mit Krisen gut umgehen, tragen dazu bei, dass auch wir selbst als Teil des Systems resilienter werden. Und hier zeigt es sich, dass Führungskräfte einen wichtigen Beitrag leisten können. Karin Sidler zeigt auf welche Schwerpunkte es dabei ankommt.
Einerseits brauchen Führungskräfte ihre ureigene Resilienz oder den Kohärenzsinn, um als Führungskraft zu bestehen. Anderseits gibt es Faktoren, die eine Führungskraft bei ihren Mitarbeitern fördern sollte, um Leistungsfähigkeit, Flexibilität und Gesundheit zu fördern. Was braucht die Führungskraft dazu? Sie muss sich selbst gut einschätzen, einen kühlen Kopf bewahren und Beeinflussbares von Nichtbeeinflussbarem unterscheiden können. Das geht nur, wenn sie sich von der Realität «leiten» lässt, um Warnzeichen zu sehen. 
Sodann geht es darum, gut zu kommunizieren, Orientierung zu geben und eine Mentalität, «das Beste draus zu machen». Das setzt voraus, dass man Probleme über Improvisation lösen kann und mit dem umgehen kann, was an Ressourcen da ist. Das wird in der sich rasch ändernden Postpandemie-Arbeitswelt zu einer weit grösseren Herausforderung: Allein schon die bleibende räumliche Distanz wird uns neue Umgangsformen abverlangen.
Weil die soziale Einbettung für Resilienz so zentral ist, ist der Zusammenhalt in der Gemeinschaft wichtig, da man sich dank des Wirgefühls gegenseitig aushilft und über sich hinauswachsen kann. Das geht nur durch Vertrauen und Verantwortungsübernahme. Wenn eine Wertegemeinschaft die Anforderungen in Krisen und im Wandel erkennt, sie einfordert und danach lebt, erhöht sie die Resilienz des Individuums und der Organisation. So gesehen, kann uns die COVID-19-Krise insgesamt resilienter machen und auf kommende Krisen vorbereiten. 
Ich wünsche Ihnen viele Denkanstösse bei der Lektüre dieses LEADERS. 
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