Inspiration ⇨ Soziale Interaktion nicht vernachlässigen

15. September 2020
3/2020

Wie führt man Angestellte, wenn alle zu Hause arbeiten? Die Erfahrung aus dem Lockdown könnte jetzt zur Normalität und das Wissen um Führung auf Distanz zur Pflicht werden. Hier sind die wichtigsten Punkte.

Angestellte, die selbstbestimmt arbeiten, sind laut vielen Studien produktiver. Unter anderem sparen sich die Pendler den Arbeitsweg, können sich die Zeit besser einteilen und werden weniger gestört. Das rechnet sich für Unternehmen, zusammen mit den Einsparungen aus der Verdichtung der Bürofläche vor Ort.
Allerdings stellt die Dezentralisierung mit Home-, Tele- und Mobiler Arbeit ganz neue Anforderungen, nicht nur an die Arbeitskräfte selbst, sondern auch an deren Führung. Je weniger gemeinsame physische Präsenz es gibt, desto mehr steigt der Koordinationsaufwand – und der Bedarf nach Absprachen.
Kommunikation Bei reduziertem Austausch wird es schwieriger, Emotionen von Teammitgliedern zu erkennen und zu interpretieren. Deshalb sollten Möglichkeiten geschaffen werden, damit Teammitglieder Stimmungen regelmässig ausdrücken können.
  • Definieren Sie mit dem Team die notwendigen Tools für die Kommunikation.
  • Stellen Sie sicher, dass alle befähigt sind, die Werkzeuge zu nutzen.
  • Erarbeiten Sie gemeinsam Regeln, bis hin zur Verpflichtung, bei E-Mails klare Betreffzeilen anzubringen, Gefühle mit Emoticons zu verdeutlichen oder in Videokonferenzen das Mikrofon vor und nach Wortmeldungen stumm zu schalten.
Vertrauen Auf Distanz zusammenzuarbeiten und sich zu vertrauen, gelingt vor allem, wenn man sich kennt und das Vertrauen immer wieder bestätigt erhält. 
  • Fördern Sie nicht nur die aufgabenbezogene, sondern auch die soziale Interaktion.
  • Identifizieren Sie, welche Beiträge von jedem Teammitglied zum Teamerfolg erwartet werden.
  • Nehmen Sie bei Anzeichen für Vertrauensbrüche das Gespräch auf, und machen Sie klar, was Sie erwarten, damit das Vertrauen wiederhergestellt wird.
  • Kommunizieren Sie Misserfolge, indem Sie den Fokus auf die Lern- und Verbesserungspotenziale setzen.
  • Nutzen Sie Aufgabenkonflikte, um kreative Lösungen zu finden, statt Personenkonflikte daraus entstehen zu lassen.
Feedback Arbeitet man isoliert, verschieben sich gewisse Wahrnehmungen. Klare Strukturen und das regelmässige Abholen von gegenseitigen Erwartungen und Feedbacks sind deshalb zentral.
  • Geben Sie häufig und wo möglich positives Feedback.
  • Verhindern Sie Konflikte mit zeitnahen Rückmeldungen.
  • Sollten sie trotzdem entstehen, leiten Sie die Konfliktklärung mit einer aktiven Moderation ein.
Strukturen Unklarheiten bei Aufgaben sind auf Distanz noch heikler. Die Führungskraft muss deshalb besonders aus der Ferne Ziele und Aufträge präzise strukturieren und verständlich kommunizieren.
  • Stellen Sie sicher, dass ein gemeinsames Verständnis der Arbeitsprozesse besteht.
  • Sorgen Sie jederzeit für teamweite Transparenz über den Stand der Arbeiten.
  • Nutzen Sie Ihren Überblick, und vernetzen Sie passende Leute.
  • Schaffen Sie Möglichkeiten für Kooperation und Synergien.
Zielsetzungen Ausserhalb der Bürowelt ist es für Mitarbeitende nicht immer einfach, den Fokus zu behalten und sich nicht ablenken zu lassen. Führungspersonen müssen deswegen individuell und für das ganze Team passende Vorgaben definieren.
  • Treffen Sie transparente Abmachungen und Zielvorgaben für bestimmte Zeitperioden von einigen Tagen oder einer Woche.
  • Nutzen Sie skalierende Fragetechniken, um Veränderungen und Fortschritte sichtbar zu machen: «Wie beurteilst du auf einer Skala von 1 bis 10 die Situation bzw. den Fortschritt in der Aufgabe x?» «Was braucht es, damit du eine y gibst?»
  • Halten Sie regelmässige bilaterale Gespräche, und integrieren Sie ein Check-in mit Fokus auf die persönliche Befindlichkeit.
  • Behalten Sie die Arbeitsbelastungen im Auge: Ein Ampelsystem von «Alles o.k.» bis «Ich brauche sofort Unterstützung» hilft, Staus und Konflikte zu vermeiden.
  • Noch einmal: Geben Sie regelmässig konstruktives Feedback.