Inside SKO ⇦ Rückblick auf den 45. LeaderCircle: Milizsystem in Gefahr – was tut die Wirtschaft?

9. Juni 2020
2/2020

Das Diskussionsthema am SKO-LeaderCircle vom 5. März 2020 im SIX Convention Point in Zürich hiess Freiwilligenarbeit – und es tangiert den Kern des Landes. Denn das Milizsystem gehört neben direkter Demokratie und Föderalismus zur DNS der Schweiz. Den Betrag, der von Hunderttausenden Freiwilligen geleistet wird, schätzt SKO-Präsident Jürg Eggenberger auf über 30 Milliarden Franken.

Die Schweiz lebt von der aktiven Mitarbeit und dem freiwilligen Engagement in Verbänden und Gemeinden. Ehrenamtlich tätig zu sein, fördert den gesellschaftlichen Zusammenhalt und bringt einen auch beruflich weiter.
Das Schweizer Milizsystem – als Gegenentwurf zu entfesselter Freizeitgesellschaft und Individualisierung beschworen – ist in Gefahr. Die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, ist gesunken. Ehrenamt und Karriere unter einen Hut zu bringen, wird schwieriger, obwohl der Nutzen für die Gesellschaft und für einen selbst unbestritten ist. Die Hälfte aller Schweizer Gemeinden bekunden Mühe, genügend Leute für ihre Ämter zu finden.
Die Gründe dafür sind vielfältig: Oft steht das eigene Wohl im Vordergrund, man will sich keine beruflichen Perspektiven verbauen, und dazu kommt die fehlende Anerkennung bei gleichzeitig steigenden Anforderungen der Nebenämter. Ehrenamtliche Tätigkeiten sind vielen Unternehmen wegen der Absenzen ein Dorn im Auge. Wenn sich Unternehmen in vielen Bereichen engagieren, kommt der Verdacht auf, dies nur zum Zweck der Imagepflege zu tun. Die Schweiz braucht «Leader» und Unternehmen, die Verantwortung für das Milizsystem übernehmen.
Debattiert wurde die Wichtigkeit der Freiwilligenarbeit von einer Expertengruppe. Es referierte Theo Wehner, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der ETH Zürich. Er schilderte, wer im Gemeinderat, in der Feuerwehr oder in der Schulpflege die Arbeit leistet – es sind zumeist Berufstätige mit höherem Bildungsabschluss und grossem Freundeskreis.
Die Unternehmerinnen und Politikerinnen Diana Gutjahr, CEO Ernst Fischer AG und Nationalrätin, und Arianne Moser-Schäfer, Unternehmerin und Kantons- und Gemeinderätin, gaben Einblick in ihre Politarbeit, die durch Angriffe über Social Media noch anspruchsvoller geworden ist.
Politexperte Andreas Müller, Milizexperte, Politberater und Autor, hat das «Jahr der Milizarbeit» (2019) organisiert und forderte die Firmenchefs auf, Freiwilligenarbeit der Mitarbeitenden zu unterstützen – auch aus Eigeninteresse.
Roland Lienhard, FRUTAROM Savory Solutioins Switzerland AG; Thomas Müller, Steinhölzli Bildungswege
Jürg Eggenberger, SKO
Noémie Roten, ServiceCitoyen.ch; Sabine Basler, Tel 143 Die Dargebotene Hand
Theo Wehner, Professor ETHZ; Diana Gutjahr, CEO Ernst Fischer AG; Stefan Barmettler, Chefredaktor «Handelszeitung»; Arianne Moser-Schäfer, Unternehmerin; Jürg Eggenberger, SKO; Andreas Müller, Milizexperte
Brigitte Christe, SKO; Clivia Koch, Koch Pohl Consulting GmbH; Mathieu Robbe, Leroux & Lotz Industry; Judith Niederberger, Wirtschaftsfrauen Schweiz