Geteiltes Wissen sichert Leben und Fortschritt

14.06.2021
2/2021
  • Inspiration

„Der Kaiser könnte von dem Hirten lernen. Denn, eingesperrt in den Mauern seiner Paläste, kennt er nicht die Bücher der Natur“ - Wie soll man leben? von Marcus Aurelius. Die Frage: wer von wem lernen kann, ist nicht nicht so wichtig als dass Wissen geteilt wird und das Erlernen von Neuem geschieht.

Wer Wissen anderen vorenthält, der übersieht, dass dadurch wertvolle Chancen für weiterführende Lernerfahrungen, die selbst ihm zugutekämen, ungenutzt bleiben und so auch ihm selbst die Möglichkeiten neues Wissen zu generieren entgeht.

Wir lernen immer noch, wie wir Probleme und Misserfolge vermeiden können. Wir lernen aber nicht, wie wir Neues kreieren und erschaffen könnten. Die weit verbreitete Meinung, dass man alles richtig machen sollte, ist genauso naive wie die Idee dass man keine Fehler machen sollte. Aus evolutionsbiologischer Sicht hätte kein Organismus überlebt, wenn sie im Zuge ihrer evolutionären Entwicklung, sich nicht immer wieder an die Umweltbedingungen angepasst und dabei dazu gelernt hätten. Genau dieses Wissen wurde durch Zellteilung und durchs Vererben an die Nachkommen weitergereicht. Somit wurde Wissen getitelt, um die Nachkommen mit lebensnotwendigen Erfahrungen auszustatten und somit Leben aufrecht zu halten. Je mehr Wissen wir zusammenbringen und sie miteinander verflechten, umso mehr Fragen können wir stellen und umso mehr Wissen kann geteilt werden, wo- durch Fortschritt erhalten bleibt und Wachstum gefördert wird.

Eine aktuelle Aussage von dem Linguistik Professor Andrea Moro macht dies deutlich:

„The real value of neurolinguistics ist not that it offers new answers but it offers a new perspektive to formulate new questions“. Wenn wir neue Fragen stellen können, beweist dies die Tatsache viel wissen zusammengetragen zu haben.

Lernen – verändern – weiter lernen

Vor jeder Veränderung steht die Information. Um lebenslanges Lernen aufrecht zu halten sollten wir bereit sein, hin und wieder unser bisheriges Wissen zu hinterfragen - trotz unserer Überzeugung. Die Dampfmaschine wurde auch durch Elektrizität und fossile Energie ersetzt. Manches am Wissen eines CEOs oder eines Managers ist ebenfalls die Obsoleszenz geweiht. Dies bedeutet aber nicht die persönliche Kompetenzabnahme der Führungspersonen, sondern die natürliche Entwicklung der Umweltbedingungen.

Damit Führungskräfte künftig auf neue und unbekannte Veränderungen in der Umwelt möglichst adäquat reagieren können, sollten sie zunächst einmal in der Lage sein die richtigen Fragen zu stellen. Dies ist notwendig, weil vor einer Antwort steht immer eine Frage. Wenn wir bereit und mutig genug sind unser Mindset zu ändern, weil wir einsehen „müssen“, dass wir schon lange nicht mehr alles wissen können und schon gar nicht auf alles eine Antwort haben, wird es uns leichter fallen unser etabliertes Wissen zu hinterfragen. Über eine bestimmten Entwicklung nicht genau Bescheid zu wissen, bedeutet nicht, dass wir inkompetent sind, sondern dass wir es „noch“ nicht wissen können. Gleiches zieht gleiches an. Je mehr wir uns diese Tatsache eingestehen, umso mehr treffen wir auf Menschen, die die Welt mit der gleichen Geisteshaltung anschauen und am Austausch gegenseitigen Nicht-Wissens interessiert sind. Wenn Neugier und Kompetenz aufeinandertreffen, kann die Zukunft gestaltet werden.

Mut zum nicht-wissen

Der Physiker und ehemaliger M.I.T. Lehrer Walter Lewin war für seine Antwort auf eine bestimmte Frage, die ihm seiner Studenten immer wieder gefragt haben, sehr berühmt. Nämlich: „Welche Themen deckt Ihr Unterricht ab?“ Seine Antwort: «Es geht nicht darum, welche Themen der Unterricht abdeckt, sondern darum, was du entdeckst!»

Mit der einfachen Weitergabe vom Wissen, wie einen Gegenstand, bleiben wir auf der sicheren Seite - die Entwicklung der persönlichen Offenheit und Mut bleiben davon unberührt. Die persönliche Offenheit lädt zum Lernen ein und nimmt die Anerkennung der eigenen Ignoranz (des Nicht-Wissens) in Kauf.

Die einzig wahre Weisheit liegt darin, dass wir wissen, nichts zu wissen.

Sokra tes

Die Sicht des Sokrates, birgt die Weisheit des Lernens und des Lehrens in sich, die zugleich die Voraussetzung zum Teilen des Wissens einlädt - das Geben und das Nehmen. Unser standhaft geglaubtes Wissen neigt hin und wieder zu bröckeln und zu zerfallen und das bringt Unsicherheiten mit sich. Zahlreiche Forschungsarbeiten über Primaten, konnte das Organisieren und das Beschützen von sozialen Gemeinschaften nur über die Weitergabe von Wissen erfolgen. Wo Gefahr lauerte und diese Information geteilt wurde, konnte die Gemeinschaft überleben.

Die Unvorhersagbarkeit unserer komplexen Zukunft kann womöglich nur beschritten werden, indem wir wertvolles und relevantes Wissen teilen, damit sinnhaftes Leben und weiterführendes Lernen gesichert werden kann.

Text:

Julius Hargitai

HUMAN MANAGEMENT CONSULTING