Gegenüberstellung

9. Juni 2020
2/2020

01. Welches Klischee über die Schweizer erstaunt Sie auf Auslandreisen am meisten? 

02. Glauben Sie, dass es einen typisch schweizerischen Führungsstil gibt?

03. Welche Vorurteile gegenüber Deutschschweizern müsste man speziell bekämpfen?

01.

Schon in sehr jungen Jahren hat mich im Ausland, sei es in meinen Heimatländern Italien und Spanien, sei es allgemein in Europa oder auf anderen Kontinenten, dieser Satz immer am meisten irritiert: "Ihr in der Schweiz, ihr seid ja alle reich, ihr habt Schliessfächer in den Banken, die mit Geld und Goldbarren gefüllt sind". Trotz der guten Lebensqualität, die wir haben, wissen wir alle, dass die Realität ganz anders aussieht.

02.

Ich weiss nicht, ob wir eine allgemeingültige Definition von Führung "made in Switzerland" geben können. Aber für mich ist es sicherlich eine Führung, die von Freiheit und Unternehmergeist geprägt ist, wie der wirtschaftliche Erfolg der Schweiz dank dem grossen Netzwerk an KMU beweist. Hinzu kommen die Innovationsbereitschaft und die Gewissenhaftigkeit, die dazu beitragen, dass jedes Jahr eine Vielzahl von Start-ups entstehen, die wiederum zahlreiche Talente für ihre vielversprechenden Projekte anziehen.

03. 

Da ich viele Jahre in einem Unternehmen auf beiden Seiten der Sarine gearbeitet und gleichzeitig Teams in Zürich und in der Genferseeregion geleitet habe, war ich selbst mit Vorurteilen konfrontiert. Zum Beispiel sind für uns Westschweizer die Deutschschweizer "zu direkt", und für die Deutschschweizer sind wir "zu olé olé". Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass das, was wir für "zu direkt" halten, in Wirklichkeit nur eine Widerspiegelung ihrer sehr direkten Ausdrucksweise ist. Als ich dies verstanden hatte, schätzte ich meinerseits die Effizienz sehr,  welche diese Art für die Projekte und die Zielerreichung brachte.
Deborah Akinci HR-Direktorin, MVT Architects Betriebswirtin und Mediatorin, mit langjähriger Erfahrung im HR-Bereich. Administratorin und HR-Direktorin

01. 

Nun, das weitestverbreitete Stereotyp ist das der extrem pünktlichen Schweizer, die alles weit im Voraus planen. Es trifft tatsächlich teilweise zu, aber in der Schweiz trifft man auf eine unglaubliche Vielfalt an Menschen, was ich sehr schätze.

02. 

Während 16 Jahren in der Schweiz habe ich in der Tat einen eigenen Führungsstil kennengelernt. Er ist üblicherweise geprägt von Pragmatismus, Sorgfalt und Kompromissbereitschaft, und das hat mir immer gefallen.

03. 

Es gibt dieses Klischee, dass die Schweizer nicht nur pünktlich und genau, sondern eben auch stur und unflexibel seien, und das trifft die Realität meiner Erfahrung gemäss jedenfalls in der deutschsprachigen Schweiz nicht: Dort sind alle Qualitäten sehr ausgewogen vorhanden. 
Carlo Moretto Worldwide Sales Manager, IBM Corporation Carlo ist Sales Manager und hilft mit seinem Team weltweit agierenden Kunden auf ihrer Reise in die Digitalisierung.