Fünf Generationen lernen voneinander

9. Juni 2020
2/2020

Wir alle leben und arbeiten länger denn je. Aber wie managt man eine Belegschaft, die zwischen 18 und 80 Jahre alt ist? Wie nutzt man die Vorteile eines Teams mit Altersdiversität am besten?

Die Altersspanne der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist heute so gross wie nie zuvor. Der Eintritt der Generation Z in die Arbeitswelt und der Trend zum Arbeiten bis ins hohe Alter führen dazu, dass heute Personen aus bis zu fünf verschiedenen Generationen am Arbeitsplatz zusammentreffen. Vom 16-jährigen Lehrling bis zum 70-jährigen Senior-Mitarbeiter.
Die Bedürfnisse, aber auch die Stärken dieser Arbeitnehmer sind äusserst unterschiedlich. Doch wie stellen Unternehmen und Führungspersonen sicher, dass die Bedürfnisse erfüllt und die Stärken genutzt werden? 
Tatsächlich erleben viele Teamleiter und Personalabteilungen die Führung einer generationenübergreifenden Belegschaft als Herausforderung. Studien zeigen aber, dass sie Vorteile bietet: Auf die richtige Mischung kommt es an.

Vergessen Sie Stereotypen

Wir alle glauben zu wissen, dass Millennials (geboren nach 1998) mehrjährige Job-Hopper sind, immer mit Blick auf ihre nächste Rolle. Die Generation Z (geboren 1981–1998), mit dem Smartphone aufgewachsen, zeigt eine hohe technische Affinität und kommuniziert ausschliesslich mit Emojis und Selfies. Im Gegensatz dazu sind die Babyboomer (geboren 1946–1964) und die Silent Generation (geboren vor 1946) mit moderner Technologie grundsätzlich überfordert. Zudem fordert die Generation X (geboren zwischen 1965 und 1980), die nie Fehler zugeben würde, jede Art von Management heraus. 
Klingt das vertraut? Die meisten Menschen wären wahrscheinlich wenig begeistert, würde man sie auf eine dieser Annahmen reduzieren. Genau deswegen sind diese Stereotypen schlecht für jedes Unternehmen: Sie behindern den integrativen Arbeitsplatz mit kooperativen Teams. Deswegen gilt es, über alte Vorurteile hinwegzuschauen.

Unterschiede erkennen

Die Annahme, dass Menschen verschiedenen Alters unterschiedliche Wünsche und Bedürfnisse haben, ist hingegen angebracht und vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Entwicklungen ernst zu nehmen: Das durchschnittliche Alter der Schweizer Erwerbstätigen beim Austritt aus dem Arbeitsmarkt lag 2018 bei 65,5 Jahren. Dies entspricht laut Bundesamt für Statistik einem der höchsten Werte seit Beginn der 90er-Jahre.
Jüngste Studien deuten darauf hin, dass der Wunsch nach Autonomie mit dem Alter nicht ab-, sondern zunimmt. So empfinden 30 Prozent der Babyboomer, jedoch nur 19 Prozent der Generation Z Autonomie als besonders wichtig. Im Bereich der Personalbeschaffung zeigt sich, dass sich Babyboomer und die Generation X stärker für flexibles Arbeiten interessieren als die Generation Z, der wiederum die Weiterentwicklung wichtiger ist.
Eine Forbes-Studie zeigt, dass die Generation Z stark an zukunftsträchtigen Jobs und an Beschäftigungsstabilität interessiert ist. Dies lässt sich zum Teil dadurch erklären, dass diese Generation seit ihrem Eintritt in die Arbeitswelt sehr viel von neuen Technologien wie Robotik und Machine-Learning und ihrem starken, verunsichernden Einfluss auf die Arbeitswelt hört. Auch wirtschaftliche Grossereignisse beeinflussen uns. Die Löhne der über 50-Jährigen haben sich (fast) wieder auf dem Niveau von vor dem globalen Finanzcrash eingependelt. Die Millennials hingegen, die während der Krise 2008 in den Arbeitsmarkt eingetreten sind, leiden gemäss Erhebungen der Resolution Foundation noch immer unter den Auswirkungen auf ihr Einkommen.

Differenzen nutzen

Betrachtet man die Daten aus einem anderen Blickwinkel, so erkennt man, dass jede Generation ihre eigene Form von Expertise mit sich bringt. Eine Untersuchung  ergab, dass 53 Prozent derjenigen, die in Multigenerationenteams arbeiten, glauben, viel von anderen Generationen gelernt zu haben. Die besten Manager schaffen also Teams mit sich ergänzenden Perspektiven, Fähigkeiten und Fachkenntnissen und führen sie dank ihren unterschiedlichen Sichtweisen mit viel Flexibilität zum Erfolg.
  • Garry Gürtler
    IWG verfügt über das weltweit grösste Netzwerk an flexiblen Büroräumen. Das Markenportfolio in der Schweiz umfasst derzeit Regus, Spaces und bald auch No18 und bietet eine unerreichte Auswahl für Unternehmen aller Grössenordnungen.
    CEO IWG Schweiz