Empathie kultivieren und an unserer Verschiedenheit wachsen

09.09.2021
3/2021
  • Aufgefallen

Hajar El Haddaoui leitet bei Swisscom ein 400-köpfiges Team und zögert nicht, beim Führen ihrer Mitarbeitenden die gängigen Regeln auf den Kopf zu stellen. Sie rangiert unter den 300 bemerkenswerten Frauen der europäischen IT-Branche und ist davon überzeugt, dass der digitale Wandel mit Inklusion einhergeht.

1. Was zeichnet Sie aus?

Es ist mir schlicht unmöglich, allein zu führen! Ich umgebe mich immer mit einem kompetenten, empathischen, selbstständigen, kritischen, freigeistigen Team, das sich sehr gut ergänzt. Das Wort «Mut» spielt bei meinen Entscheidungen eine grosse Rolle: der Mut, Dinge vorwegzunehmen und Risiken einzugehen, um so wenig wie möglich auf Veränderungen von aussen reagieren zu müssen.

2. Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie?

Die aktuelle Krise hat unser Verhalten tiefgreifend verändert, und wir haben uns vor allem innerlich gewandelt. Nach einer Zeit der Reflexion und der Arbeit zu Hause haben viele entdeckt, dass sie produktiver und kreativer waren. Im Privaten sind sich viele bewusst geworden, welchen Wert die Familie hat.

3. Woher kommen Sie?

In meiner Kindheit bin ich oft umgezogen – mein Vater war ein marokkanischer Diplomat –, dadurch bin ich in einem multikulturellen Umfeld gross geworden. Ich besuchte internationale Schulen mit Kindern aus aller Welt. Ich bin in über 12 Ländern aufgewachsen, bevor ich mich in der Schweiz niederliess, meinem Lieblingsland!

4. Inwiefern hat Sie dies beeinflusst?

Dass ich mit verschiedenen Kulturen in Kontakt gekommen bin und mich in unterschiedlichen Gemeinschaften eingebracht habe, hat die Art beeinflusst, wie ich führe. Ich stelle Zusammenarbeit und Inklusion in den Mittelpunkt meines Ansatzes.

5. Was motiviert Sie im Leben?

Meine Hoffnungen, meine Wünsche, meine Ziele. Sie immer höherstecken zu können, motiviert mich, mein Bestes zu geben. Über sich hinauswachsen, «think outside the box», stets positiv denken, das ist für mich eine Lebenseinstellung!

6. Bei welcher Gelegenheit haben Sie am meisten von anderen gelernt?

In Sachen Managementpraxis habe ich während dieser Pandemie enorm viel von anderen gelernt. Diese Krise war der Zündfunke für eine beschleunigte Entwicklung auf mehreren Ebenen, insbesondere: Agilität, unternehmerisches Denken und Intrapreneurship, geteilte Verantwortung, Soft Skills, vernetztes Denken, auch auf den Ebenen Umgang mit Komplexität und der Zukunftsvision Bedeutung verleihen.

7. Wie können Sie anderen besser helfen?

Ich habe kein Patentrezept, um anderen zu helfen, aber ich mache das Maximum, um sie anzuleiten und Belange zu unterstützen, die mir am Herzen liegen. Jemanden begleiten heisst in erster Linie, aktiv zuzuhören und eine echte, authentische Vertrauensbeziehung aufzubauen. Durch unsere Unterschiede helfen wir uns gegenseitig dabei, zu wachsen.

Der Mensch neigt dazu, seine Fähigkeiten zu unterschätzen. Man sollte nie vergessen, dass alles möglich ist, sollte sich selbst davon überzeugen und den Versuch wagen.

8. Was wünschen Sie sich für die Gesellschaft nach der Pandemie am meisten?

Es muss Platz für die Chancen geschaffen werden, die aus dieser aussergewöhnlichen Situation entstehen können. Es ist zu hoffen, dass wir klüger aus dieser Situation hervorgehen und besser dafür gerüstet sind, unser Leben auf würdige, bereichernde Art und im Dienst einer nachhaltigen Gesellschaft zu führen!

Hajar El Haddaoui
Head of Region West & Tessin Sales & Services, Mitglied SKO Waadt und Leader von A Effect – The Ambition Challenge
Swisscom (Schweiz) AG