Disruptives Uraltunternehmen

23. November 2020
4/2020

Ausgerechnet eines der ältesten Unternehmen der Schweiz gewinnt einen Disruptionspreis. Das liegt daran, dass sich die Glockengiesserei H. Rüetschi AG in den 650 Jahren ihres Bestehens immer wieder neu erfinden musste.

Die härtesten Zeiten dürfte das Unternehmen, das zu den ersten im Schweizer Handelsregister zählt, in der Zeit der Reformation durchgemacht haben: Kirchengeläute waren damals Jahrzehntelang verboten. Die Giesserei hatte aber ein zweites Standbein: Kanonen.
Während sich der Glockenguss wieder erholte, fielen die Kanonen ihrerseits 1873 wegen der Einführung von Krupp-Stahlgeschützen weg. Mit dem Giessereiangebot für Künstler erschloss man sich ab 1926 ganz andere Absatzmärkte. Einst eine von 15 Glockengiessereien, ist das Unternehmen heute ein Kompetenzzentrum für Geläutesanierung und Kirchturmtechnik. Die H. Rüetschi AG zählt rund 25 Mitarbeitende aus 12 verschiedenen Berufen.
Mit dem «Phönix-Award» der der seit 2018 bestehenden Initiative Nachfolgebus.ch ist das Unternehmen in der Kategorie «Innovation/Disruption/Erneuerungsfähigkeit» ausgezeichnet worden, weil das uralte Unternehmen seinen langen Atem vor allem der ständigen Neuerfindung verdankt und das Klischee Lügen straft, wonach etablierte Unternehmen in der Disruption immer neuen Start-ups Platz machen.