«Die Selbstreflexion ist zentral»

15. September 2020
3/2020

Marcel Allemann ist Optimist, Menschenfreund und der Überzeugung, dass wir alle der Gemeinschaft etwas zurückgeben sollen. Er tut dies im Amt als Gemeindepräsident in Matzendorf. Und er hat sich als Führungskraft der öffentlichen Hand von der SKO zertifizieren lassen.

Marcel Allemann, wer bist du?
Ich liebe Menschen, will mit ihnen etwas erreichen. Und dabei ist das Glas bei mir nicht nur halb voll, sondern immer voll, auch wenn manchmal nicht so viel drin ist. Mit dieser positiven Einstellung kommt man gut durchs Leben.
Was hat dich bewogen, dich für den Zertifizierungsprozess für Gemeinderäte anzumelden?
Heute werden Gemeinderäte belächelt. Dabei leistet man in diesem Amt erstens einen Beitrag für die Gesellschaft. Und zweitens kann man sehr viel lernen. Ich habe mir gesagt, da muss einer vorausgehen und sich zertifizieren lassen. Ich hoffe, dass dieses Zertifikat auch einen Wert im Berufsleben erhält.
Für die Selbstevaluation hast du einen dicken Ordner mit Belegen deiner Kompetenzen zusammengetragen …
Ich hielt den Zertifizierungsvorgang zunächst für sehr simpel. Als ich mich dann mit den verlangten Kompetenzen auseinandersetzte, stellte ich mir plötzlich viele selbstkritische Fragen. Dieser Reflexionsprozess wurde für mich zum zentralen Erlebnis.
Du bist Verkaufsleiter der Bell Group, hast Hobbys und eine Familie. Und wolltest dich doch eigentlich nie im Gemeinderat engagieren?
Mein Vater war über zwölf Jahre lang Gemeindepräsident, und das hat ihn viel Zeit gekostet. Als man in Matzendorf niemanden fand für das Amt, habe ich aber erkannt, dass mich die Frage durchaus interessiert: Wie führt man eine Gemeinde?
Ein Aspekt nachhaltiger Führung besteht gemäss SKO darin, dass Führungskräfte auch Verantwortung für das Ökosystem übernehmen, in dem sie arbeiten und von dem sie profitieren.
Es gibt tolle Leute, die etwa in den Vereinen viel leisten – und viele von ihnen übernehmen das Ehrenamt anfänglich aus eher opportunistischen Motiven. Doch dann erkennen sie, dass es Spass macht, etwas zu bewegen. Bei uns in der Gemeinde arbeiten wir nach dem Motto, dass alles, was wir haben, nur ausgeliehen ist und den Nachfahren weitergereicht werden soll.
Wie hat der Verkaufsleiter von der Führungsarbeit im Gemeinderat profitiert?
Es gibt viele Parallelen – statt den Kunden dient man den Steuerzahlern. Wenn man schwierige Geschäfte gut erklärt, dann machen die Leute mit. Aber auf der Gemeinde geht alles ein wenig langsamer. Und ich habe gelernt: Es lohnt sich bisweilen, Ruhe in einen Prozess zu bringen und dafür den richtigen Entscheid zu fällen.
Du hast den Zertifizierungsprozess bestanden. Was ist dein Fazit?
Ich musste mit 51 erstmals seit Langem wieder eine Prüfung absolvieren, mich darauf vorbereiten und mich interviewen lassen. Das tut gut.
Du bist seit November 2013 Mitglied der SKO. Was ist deine Bilanz?
Ich fand es toll, dass die SKO sich mit der Offizierszertifizierung für den Transfer von militärischen Kompetenzen in die Berufswelt einsetzt. Ich habe dank der SKO viel über Führung gelesen, der «Leader» steuert spannende Beiträge bei, und der Austausch mit anderen funktioniert gut.
Gibt es etwas, was du dir von der SKO wünschst?
Ein eigenes Gefäss für Führungspersonal ab 50: In diesem Alter hat man mit ganz anderen Dingen zu kämpfen als junge Kaderleute.

Marcel Allemann | Verkaufsleiter Bell Food Group

Neben seinem Amt als Gemeindepräsident in Matzendorf bekleidet der Betriebswirt mit MBA der Hochschule Luzern eine beeindruckende Reihe an weiteren ausserberuflichen Aufgaben und Funktionen in Verwaltungsräten, Verbänden und Interessengruppierungen. Er ist Ehrenpräsident und Vorstandsmitglied der Offiziergesellschaft Balsthal Thal/Gäu.